Nach dem stressigen Tag mit vielen Kilometern gingen wir den nächsten ruhiger an. Mit einem Spaziergang zum Bahnhof, Caffè, Brioche und einem Bummel durch die Gassen der Altstadt von Nuoro. Eine schöne Stadt, die nicht auf die Touristen wartet, sondern für ihre Einwohnerinnen und Einwohner gemacht ist.



Dieser Eindruck wird uns den Rest des Tages begleiten. Obwohl wir es immer wieder Souvenirshops hat und Angebote für Touristen, scheint die Region wenig touristisch und damit angenehm rau und unaufgeräumt, was mir viel besser gefällt, es die schönen weissen Strände.
Von Nuoro fuhren wir nach Oliena, um Wein zu kaufen. Den einen haben wir gefunden. Aber eigentlich war das nur ein Zwischenstopp. Denn schon lange vor unserer Abreise habe ich gelesen, dass in Mamoiada der Sassicaia von Sardinien produziert wird. Und weil ich dem Produzenten seither auf Instagram gefolgt bin, wusste ich, dass er für seinen 2019 Riserva vom Gambero Rosso Tre Bicchieri für diesen Wein erhalten hat. Dazu aber später noch mehr.
Der Weg von Oliena nach Mamoiada war Camper-Terrain. Keine Piste, aber eine schmale Strasse, zwar geteert, aber mit vielen Löchern versehen. Der Fahrer war gefordert. Die Landschaft ist geprägt von Oliven bäumen, Reben und den auf Sardinien omnipräsenten Schafen.




Anina hat via dank einer grossen Suchmaschine herausgefunden, dass es in Mamoiada zwei sehr gut bewertete Restaurants gibt. 4.9 Punkte auf der grossen Suchmaschine sind eine sehr gute Bewertung, welche beide erreichten. Genossen wir in der Osteria Abbamele. Das Essen war derart gut, dass ich dazu einen separaten Beitrag verfassen werde. Zum Essen tranken wir einen Barrosu von Giovanni Montisci – nicht den Riserva, sondern den «Normalen», der bereits unverschämt gut war, und alles toppte, was wir bisher an Wein auf Sardinien getrunken hatte.
Wir signalisierten dem Wirt, dass wir gerne Wein von Giovanni Montisci kaufen würden. Er rief an und teilte uns mit, dass er uns erwarten werde. Er sei im Keller am Arbeiten. Und so führte unser Verdauungsspaziergang zum «Weingut» von Giovanni Montisci. Weingut in Anführungszeichen, weil es faktisch ein Privathaus mit grosser Garage ist, in welchem Giovanni Montisci Spitzenweine keltert. Weil wir schon einiges getrunken hatte, beschränkten wir uns auf die Degustation zweier Barrosu-Jahrgänge, die wir auch käuflich erwarben. Der Riserva sei ausverkauft, liess er uns wissen und verwies uns an einen Händler in der Schweiz, wo der 2020er ab November bestellt werden könne. Weil beim Weinkauf nur Bares Wahres war, und wir keines hatten, fuhr uns Giovanni Montisci zunächst zum Bancomaten und dann zu unserem Camper…



Eigentlich wollte wir noch nach Orgosolo, aber dafür war noch zu früh. Also entschieden wir uns im nahegelegenen Supermarkt unsere Vorräte aufzufüllen (Wasser, Milch, Joghurt, Früchte). Und was Stand da im Regal: der 2019 Riserva! Der Entscheid war schnell gefällt und drei Flaschen gekauft. Die vierte folgte am nächsten Morgen.





Am späteren Nachmittag fuhren wir Richtung Orgosolo. Der Ort ist berühmt für seine Wandbilder und berüchtigt für seine Vergangenheit. Die Wandbilder sind wirklich schon, der Ort und die Einheimischen werden unserem Gefühl nach zu Urteilen und ohne ihnen etwas unterstellen zu wollen, ihrem Ruf aus der Vergangenheit auch in der Gegenwart gerecht. Wir wollten auf jeden Fall nicht bleiben. Und weil es in Mamoiada einen guten Parkplatz (sprich flach) und eine zweite gute Beiz gibt, entschlossen wir uns, die Nacht in Mamoiada zu verbringen.
Das Abendessen war ebenfalls ausgezeichnet, jedoch nicht ganz auf demselben Level wie das Mittagessen. Trotzdem können wir auch das Su Tapiu empfehlen. Neben der kulinarischen Überzeugungskraft, verbunden mit den lokalen Produkten, die verarbeitet werden, überzeugt das Su Tapiu auch mit einer schlicht-eleganten Architektur.



